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Hör gut zu! Der deutsche Hörfilmpreis 2017

Normalerweise ist es nicht unsere Lieblingsbeschäftigung an einem Dienstagabend knapp drei Stunden ohne Pause bei einer Preisverleihung zu verbringen. Eine willkommene Ausnahme: Der deutsche Hörfilmpreis vom Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV). Hier werden nicht die Filme selbst ausgezeichnet, sondern die jeweilige Audiodeskription – also die Stimme, die Filme für Blinde und Nicht-Sehende erlebbar macht.

Charmant (wenn auch wie immer etwas zu geschwätzig) führte Steven Gätjen durch den Abend.

Besonderes Highlight: Dreimal wurde ein Filmausschnitt gezeigt. Einmal mit schwarzer Leinwand – wie ihn Nicht-Sehende wahrnehmen – einmal mit Audiodeskription und beim dritten Mal „normal“ mit Bild und Ton. Spätestens danach wusste jeder Anwesende wie wichtig die erzählende Stimme ist und worauf es bei ihr ankommt. Je weniger sie wahrgenommen wird, desto besser. Wir waren wirklich beeindruckt.

Ebenso beeindruckend: Es gab viele positive Nachrichten zu vermelden: Erstmals wurden die Olympischen Spiele mit Audiodeskription gezeigt und auch immer mehr Filme im öffentlich rechtlichen TV.

Ausgezeichnet wurden schließlich „Familienfest“ (TV), „Nebel im August“ (Kino), „Löwenzahn: Geld – Der schlaue Tausch“ (Sonderpreis der Jury) und „Die vierte Gewalt“ (Publikumspreis).

War wir nicht verstanden haben: Wieso halten (ohne Zweifel wunderbare) Schauspieler der Gewinnerfilme wie Michaela May oder Günther Maria Halmer eine Dankesrede und berichten darüber, wie schön/unvergesslich/schwierig die Dreharbeiten waren. Macht keinen Sinn und zieht die Verleihung unnötig in die Länge – besonders wenn mehrfach am Abend erwähnt wurde, dass es eben nicht um den Film an sich geht. Viel lieber hätten wir mehr von den teilweise blinden Filmbeschreibern selbst gehört. Emotionaler Höhepunkt wie beispielsweise Yesim Erdogan vollkommen überwältigt und charmant ins Mikrofon stammelt „Ich fühle mich gerade so wichtig“ oder Sabine Ziehm fordert, mehr Nicht-Sehende im Bereich der Audiodeskription einzustellen um dort eine echte Gleichberechtigung zu erreichen.

Das sind die Momente, die Abende wie diesen unvergesslich machen, regt zum Nachdenken an und lässt uns hoffen, dass in Zukunft noch viel mehr Filme Audiodeskription bekommen.

 

Alle Fotos: DBSV/Franziska Krug